| Einzelraumregelung
(ERR)
Ich
bin grundsätzlich ein Verfechter von
Vorschriften und Richtlinien, die die
anerkannten Regeln der Technik
widerspiegeln. In Bezug auf die
Einzelraumregelung gilt § 14 EnEV
(Auszug):
Verteilungseinrichtungen
und Warmwasseranlagen
(1) Zentralheizungen müssen beim Einbau
in Gebäude mit zentralen selbsttätig
wirkenden Einrichtungen zur Verringerung
und Abschaltung der Wärmezufuhr sowie
zur Ein- und Ausschaltung elektrischer
Antriebe in Abhängigkeit von
1. der Außentemperatur oder einer
anderen geeigneten Führungsgröße und
2. der Zeit
ausgestattet werden.
Diese
Vorschrift ist in Fachkreisen
umstritten. Sie mag in Einzelfällen
sinnvoll sein. In Bezug auf
niedertemperierte Flächenheizungen, wo
es auf konstante Raumtemperaturen
ankommt, gibt es jedoch Heizungsbauer,
die von dieser Vorschrift bewusst und in
Absprache mit dem Bauherrn abweichen.
Auch meines Erachtens ist diese
Vorschrift in diesem Zusammenhang
sinnwidrig. Im übrigen hat mich sogar
ein NIBE-Servicetechniker von dieser
Sinnfreiheit überzeugt.
Im
Internet findet man viele Aussagen zu
diesem Thema mit den unterschiedlichsten
Argumenten wieder. Ich finde
die folgenden Aussagen von Jörg Prieser,
Geschäftsführer der Fa. Protherm,
einleuchtend und für Laien am
verständlichsten:
„Effizienz
Was
kann ich tun um diese
Temperaturdifferenz so niedrig wie
möglich zu halten.
-
keine Nachtabsenkung, die Anlage muss
durchlaufen, auch wenn sie am Wochenende
mal nicht da sind (Längere Zeiten
sprechen für eine Absenkung.) und da
bekomme ich von meinen Kollegen immer
Stirnrunzeln,
-
weitestgehend keine Einzelraumreglung.
Durch den physikalischen
Selbstregeleffekt der Niedertemperatur
Fußbodenheizung im Zusammenhang mit
guter Wärmedämmung des Gebäudes
brauchen sie diese nicht, da es keinen
Sinn macht den Durchfluss des
Heizmediums im Boden zu unterbrechen
wenn ohnehin keine nennenswerte
Temperaturdifferenz zum Raum besteht,
also kein Energiefluss stattfindet.
Wenn
die Anlage die Möglichkeit hat über 24
Stunden hinweg gleichmäßig Wärme zu
liefern, wird zum einen auch die
Wärmequelle gleichmäßig über den
gesamten Tag belastet, sie kann sich
immer wieder regenerieren und somit auch
höhere Temperaturen liefern und zum
anderen wird ihr Haus im Prinzip nicht
mehr hoch geheizt, sondern lediglich die
Temperatur gehalten. Die Wärmepumpe
liefert ihnen jetzt gerade das was
notwendig ist, um auszugleichen was
gerade in diesem Augenblick durch
Fenster, Wände, Türen, Dach verloren
geht, Gleichmäßig, automatisch, nach
Außentemperatur geregelt, von Herbst
über den Winter bis ins Frühjahr. Es
ergeben Sich durch die geringen
Schwankungen hier wiederum die
gewünschten möglichst niedrigen
Vorlauftemperaturen bei
höchstmöglichen
Wärmequellentemperaturen.
Warum
aber keine Einzelraumreglung? Die
Wärmepumpe muss die Möglichkeit haben,
so viele wie möglich Heizkreise mit der
niedrigsten Vorlauftemperatur zu
bedienen. Nicht nur einige wenige, das
würde bedeuten, dass sie jetzt höhere
Vorlauftemperaturen benötigen da auch
Wärme über die Innenwände an nicht
beheizte Räume abgegeben wird. Also
auch untergeordnete Räume
wenigstens zum Teil mitbeheizen.
Was die Regelung der Temperatur der
Räume betrifft, so können sie diese
über den hydraulischen Abgleich am
Heizkreisverteiler einmalig anpassen.
Jeder Raum hat mindestens einen Kreis
und verringerter Durchfluss, entspricht
weniger Wärme. Auf diese Art bekommen
sie ein ganz normales Temperaturniveau
im Haus hin. Bad 23/24°C, Wohnzimmer,
Kinderzimmer 22°C, Küche 20°C,
Arbeitsraum 16/17°C.“
(Quelle:
Vortrag v. Jörg Prieser, Symposium zu
regenerative Energien, Handwerksmesse
2006). Den ganzen Vortrag kann man hier
lesen.
Aus
den genannten Gründen hatte ich zum
Zeitpunkt der Protokollierung alle
Einzelraumregelungen auf 30 Grad
eingestellt. So war sichergestellt, dass
der Durchfluss in der FBH an keiner
Stelle unterbrochen oder gebremst wurde,
die Ventile immer auf waren.
Inzwischen habe ich die Stellmotoren im
Heizkreisverteiler von den
Rücklaufventilen ganz entfernt und die
Einzelraumregelungen vom Stromnetz
getrennt. Die Entfernung der
Stellmotoren war notwendig, da sie die
Ventile schließen sobald die Motoren
stromlos sind. Nebeneffekt: Stellmotoren
und ERR verbrauchen jeweils 2,5 Watt
Strom. Bei acht ERR und zwölf
Stellmotoren spart man also im Verlauf
einer Heizperiode ziemlich genau 216 kWh
per anno.
Die
Raumtemperaturen werden nun nicht mehr
dezentral über die ERR gesteuert
sondern ausschließlich zentral über
die von der WP vorgegebenen
Vorlauftemperatur in Abhängigkeit vom
Aussentemperaturfühler und der
eingestellten Heizkurve. Die
Heizkurve kann ich so bei Bedarf
temporär auch mal manuell anheben oder
senken. Mit der Veränderung der
Heizkurve steuere ich somit nicht mehr
unterschiedliche Temperaturen in
einzelnen Räumen sondern ein
Temperaturniveau als Ganzes. Üblicherweise
werden aber von den Nutzern in den
unterschiedlichen Wohnräumen
individuelle Raumtemperaturen
gewünscht. Bei uns stellt sich dieses
Temperaturniveau wie folgt dar: 24
°C
= Bad,
Gäste-Duschbad
21 °C
= Wohnen, Essen, Küche, Kinderzimmer
19 °C
= Schlafen, Arbeiten, Diele
HWR und Speisekammer werden nicht
beheizt. Jetzt
war unsere Heizungsanlage aber so
eingestellt, dass es in den Bädern nur
22 °C
warm wurde während wir in Wohnen,
Essen, Küche, Kinderzimmer die
gewünschte Temperatur von 21 °C
hatten. Auch die anderen Räume (Schlafen,
Arbeiten, Diele) erreichten mit 18 °C
nicht die gewünschte Temperatur. Wenn
ich nun die Heizkurve anhob um im Bad
die gewünschten 24 °C zu erreichen,
war es in den übrigen Räumen wiederum
zu warm. Und damit dieses Problem erst
gar nicht entsteht gibt es den
Hydraulischen Abgleich.
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