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Wenn
ich im Nachhinein darüber nachdenke verkauft
eigentlich jeder bei Hausbau Bethel mit dem wir näheren
Kontakt hatten. Wir bekamen Angebote vom
eigentlichen Verkaufsberater Oliver D., nach dessen Abgang
vom Verkaufsleiter Burkhard W., nach Bemusterung von der
Architektin Michelle Sch., zwischendurch vom Bauleiter
Hochbau Bernd E. und zuletzt vom Bauleiter Ralf B. Tiefbau. Aber
ich will hier von vorne beginnen und versuchen die
Gespräche zu skizzieren, die sich bei uns am
meisten eingeprägt haben.
Wir
wurden im Rahmen der Marktsichtung zunächst von
Herrn Gerhard P. vom Bauträger Bethel beraten. Er
wurde uns ursprünglich von Freunden empfohlen, die
während ihres eigenen Hausbaus sehr gute
Erfahrungen mit ihm gemacht haben. Auch auf uns
machte er fachlich und menschlich einen guten
Eindruck. Leider arbeitete Herr P. plötzlich nicht
mehr für Bethel so dass wir an Herrn Oliver D.
verwiesen wurden. Herr D. war Anfang 30, wirkte auf
uns etwas herablassend und sehr selbstbewusst. Er
war als Nachfolger von Herrn P. eingestellt worden
und hatte bereits Häuser für einen Paderborner
Bauträger verkauft.
Was
mir damals schon etwas spanisch vorkam war die
Tatsache, dass Herr D. während der drei oder vier
Verkaufsgespräche die wir mit ihm führten, Zugeständnisse
machte, die sogar aus meiner laienhaften Sicht der
Dinge kaum nachvollziehbar waren. Nun kannte ich die
Preise der Viebrockhäuser und erklärte mir diesen
Spielraum des Verkäufers mit großzügig
kalkulierten Preisen. Beispielhaft seien in diesem
Zusammenhang folgende mündliche Zusagen genannt,
die uns Herr Oliver D. vor der Unterschrift unter
den Vertrag für ein Maxime 700 mündlich vor Zeugen
machte:
- kostenlose
Erweiterung des Grundrisses um den Bereich der
überdachten Terrasse im EG inkl. der
entsprechenden Erweiterung des darunter
liegenden Kellergeschosses
- kostenlose
Änderung des Grundrisses im Erd- und
Dachgeschoss
- kostenlose
Vergrößerung eines Kellerfensters mit dazugehöriger
Anböschung des Erdreiches
- kostenlose
Verlegung von Heizkörperanschlüssen in den
Spitzboden
Heute
weiß ich, dass uns Herr Oliver D. bezüglich der
vorgenannten kostenlosen "Appetitmacher"
ins Gesicht gelogen hat.
Den
ersten Schock erfuhren wir, nachdem wir den Vertrag
unter Dach und Fach hatten, dann von der
Innenarchitektin Frau Sch., mit der wir uns
im Musterhauszentrum Bad Fallingbostel zur
Bemusterung trafen. Als wir während des Gesprächs
die als kostenlos zugesagten Schmankerl des Herrn D. erwähnten, fragte sie mehrmals nach,
schien teilweise überrascht bis entsetzt zu sein
und hatte Mühe ihre aus den Aughöhlen drängenden
Augäpfel zu kontrollieren.
Misstrauisch
geworden wollte ich Klarheit und rief einen Tag später beim
Bauträger Bethel an und verlangte nach Herrn D. Irgendwann
teilte uns der Bauleiter E. auf Nachfrage mit,
Herr D. sei schwer erkrankt und falle längere Zeit
aus. Ich ahnte Böses. Schließlich hatte uns ja
bereits einmal ein Verkäuferwechsel beim Bauträger
Bethel getroffen. Ich forderte den Bauleiter auf,
doch mal "Butter bei de Fische" zu geben
worauf er herumdruckste und an den Verkaufsleiter
Herrn W. verwies, der von nun an für uns
zuständig sei. Herr W. teilte dann mit, dass man
sich von Herrn D. getrennt habe. Gründe hierfür
konnte er verständlicherweise nicht benennen. Er
lud uns zu einem Gespräch ein um "auf Augenhöhe
einander kennen zu lernen" und das ein oder
andere Detail zu besprechen.
Es
war der 07. Juli 2006. Es war der Tag, an dem ich
jemanden kennen lernte von dem bis ich bis dahin gar
nicht wusste, dass es ihn gab: meinen Reizmagen. Es
kam so, wie es kommen musste. Heute weiß ich das.
Blauäugig, im Vertrauen darauf, dass uns Hausbau
Bethel, als rechtlich unselbständiger Betrieb der
von Bodelschwinghschen Anstalten, also Europas größter
kirchlicher gemeinnütziger Einrichtung für
Behinderte, sozial Schwache und Kranke nicht über
den Tisch ziehen würde, hatten wir den Vertrag bei Herrn
D. Ende Dezember 2005 noch schnell unterschrieben
um die Eigenheimzulage zu sichern. Aus Zeitmangel
sei Herr D. damals nicht mehr dazu gekommen, die
kostenneutralen von ihm gemachten Zusagen im Vertrag
zu fixieren. Der Verkaufsleiter Herr W. zog
dann die knallharte Nummer durch: "Ich glaube
nur das, was im Vertrag steht. Mit diesen
kostenneutralen Änderungen hätten wir diesen
Vertrag nie geschlossen." War das eine
Einladung zum Aufstehen und Gehen? Bedeutet ein
solches Verhalten "auf Augenhöhe einander
kennen zu lernen"?
Nun,
es gibt immer wieder mal Situationen, in denen man
sich bewusst vornimmt professionell zu reagieren.
Dies war so eine Situation. Wer mich kennt weiß,
dass ich von Natur aus ein eher ruhiger Charakter
bin. Manche unterstellen mir sogar eine gewisse
Lethargie oder gar Phlegma. Jetzt war ich jedoch kurz davor
die Beherrschung zu verlieren. Ich war wütend auf
mich: ich war wie ein behäbiger Lila-Laune-Bär
einem Bauernfänger in die Falle getappt. Und diese
Falle war im Grunde so offensichtlich, dass so etwas
eigentlich nur Vollpfosten passiert.
Es war mir passiert. Mir, dessen Bruder Jurist
ist. Mir, der vor Jahren selbst einige Semester Vertragsrecht gehört hat. Mir, der
seinen Kindern immer predigt "stark ist nicht
wichtig, schlau ist wichtig".
Mein
Versuch weiterhin Souveränität auszustrahlen blieb
offensichtlich erfolglos. Der Verkaufsleiter
Burkhard W. muss erkannt haben,
dass ich innerlich kochte. Das schien ihm aber zu
gefallen, denn Herr W. legte noch einen Finger in
die Wunde: "Herr R., lassen Sie doch das lange
Messer stecken, nehmen Sie doch das kleine." Da
grinst mir dieser Mittfünfziger ins Gesicht und
bringt diesen Spruch. War das ein Versuch der
Demütigung? Wollte er mal eben deutlich machen wer
hier wirklich am längeren Hebel sitzt? Ab diesem Moment war der Typ für mich
gestorben. Ab diesem Moment war für mich klar,
dass dieser dicke schwitzende Verkaufsleiter,
mit seinem süffisanten Grinsen in seinem
aufgedunsenen Gesicht vor mir sitzend, keinen
weiteren Cent Umsatz zusätzlich mit uns machen wird. Und
bei dieser Entscheidung bedufte es auch nicht der
Zustimmung meiner Regierung. Für mich war
entschieden: Ich bezahle noch einmal Lehrgeld für
meine Blauäugigkeit in Sachen "kostenlose Erweiterung des Grundrisses um den Bereich der
überdachten Terrasse" und mehr nicht.
Ich
nahm mir vor das Gespräch auf die Sachebene zu
ziehen und fragte: Wenn diese kostenlosen Änderungswünsche
so abwegig seien, dass ein Vertrag im Normalfall
nicht zustande gekommen wäre, warum teilt man uns
das erst so spät mit, nachdem wir diese Details
bereits im Gespräch mit dem Bauleiter Bernd E. erwähnten,
als es um eben diese Grundrissänderungen ging?
Kommuniziert man innerhalb des Bauträger Bethel
nicht? Auf die Frage, ob sich Hausbau Bethel das
Verhalten seines Verkäufers D. als Erfüllungsgehilfen
nicht zurechnen lassen müsse, wiederholte Herr W.,
dass er nur das glaube, was im Vertrag stehe. Es stünde
mir frei Herrn D. zu verklagen. Der letzte Satz
verdutzte mich etwas. Der Vorschlag war juristisch
gesehen völliger Unsinn. Wahrscheinlich nur
Verkaufsschulungen besucht.
Prompt
wurden wir mit dem ersten Nachtrag in Schriftform
konfrontiert. Aaaah, das war also "das ein oder
anderen Detail was man mit uns auf
Augehöhe" besprechen wollte. Die Zusage, die
Heizungsrohre kostenneutral bis in den Spitzboden zu
legen wolle man wohl kulanterweise einhalten. Für
den Rest präsentierte man uns zusätzliche Kosten
in Höhe von mal eben 3.600 Euro. Wir hatten beim Bauträger Bethel
unterschrieben und nicht bei irgendeinem anderen
Generalunternehmer. Und wir hatten beim Bauträger Bethel
unterschrieben damit uns genau das nicht passiert.
Und es geschah trotzdem.
Wenn
man uns im Rahmen der Verkaufsgespräche mitgeteilt
hätte, dass die Erweiterung des Grundrisses um den
Bereich der überdachten Terrasse im EG inkl. der
entsprechenden Erweiterung des darunter liegenden
Kellergeschosses 3.200 € kostet, hätte ich das
eventuell sogar nachvollziehen können und
akzeptiert. Überzogen fand ich den Preis eigentlich
gar nicht, jedenfalls nicht diesen. Aber es ging mir
nicht um das "Ob", es ging mir um das
"Wie". Der Ton macht die Musik. Wenigstens noch zum damaligen
Zeitpunkt. Es war ja erst der erste Nachtrag. Das
"Ob überhaupt" stellte ich damals nur in
Frage, weil ich wissen wollte, wie weit Herr W. wohl
gehen würde.
Ich
deutete also an das Projekt Hausbau mit Hausbau Bethel ganz canceln zu wollen. Herr W. war jedoch
vorbereitet (oder hatte er bereits Routine?). Er
erwiderte, das er das zwar bedauern würde, das aber
grundsätzlich kein Problem sei. Nur müssten wir
die erste Abschlagrechnung in Höhe von ca.
18.000 Euro sowieso zahlen, da dieser Betrag nach
Fertigstellung der Bauantragsunterlagen eben fällig
wäre. Ok, mein Professor für Staatsrecht sagte
immer "Nichts ist schlimmer als juristisches
Halbwissen". Aber eines muss man Herrn W.
zugestehen: Er zieht die Nummern konsequent durch.
Zu
Hause angekommen wogen wir das Für und Wider ab und
schickten den ersten Nachtrag unterschrieben zurück.
Die 3.600 Euro
buchte ich gegen das Konto Bauherren-Erfahrungs-Aufwand.
Für mich selbst nahm ich folgende drei Weisheiten
aus diesem Gespräch mit. Diese sollte sich der
potentielle Bauherr in der Entscheidungsphase immer wieder vor Augen
halten:
- Glaube
nichts, was nicht im Vertrag steht!
- Unterschreibe
erst, wenn ALLES klar ist!
- Glaube
nichts, was nicht im Vertrag steht!
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Der
erste und der dritte Punkt kosten nur
Geld.
Der
zweite Punkt versetzt den Bauherrn in
die denkbar schlechteste
Verhandlungsposition. Das kostet auch
nur Geld. Gerät man dabei aber an
einen wie Herrn W., gewinnt man sogar etwas. |
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