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Heizenergieverbrauch
Erfahrungsgemäß
beschäftigt sich der energiebewusste
Bauherr spätestens ein, zwei Jahre nach
dem Einzug mit dem Heizenergieverbrauch
seiner Heizungsanlage. Oft tritt dann
Ernüchterung ein, wenn sich dieser
Verbrauch nicht so darstellt wie es vom
Planer bzw. Gerneralunternehmer
versprochen wurde.
Aussagen wie „Wir haben relativ viel
Energie aufgewendet, aber der letzt
Winter war ja auch härter als normal“
sind in diesem Zusammenhang wenig
belastbar.
Mich hat in dieser „Ernüchterungsphase“
dann oft die Frage beschäftigt mit wie
viel Heizenergieverbrauch (kWh) muss man
eigentlich in welchem Monat rechnen?
Um sich diese Frage beantworten zu können
muss man sich jedoch zunächst mal mit
ein einigen theoretischen Grundlagen
beschäftigen. Wen das nicht
interessiert, der mag auch gleich in den
letzten Abschnitt dieses Beitrags
abspringen.
Der Heizenergieverbrauch ist
witterungsabhängig, wird im
Wesentlichen also vom Verlauf der
Aussentemperatur in der Heizperiode
gesteuert. Die Witterung verläuft aber
nicht in ganz Deutschland identisch. Um
die Heizenergieverbräuche nun in
unterschiedlichen Zeiträumen an
mehreren Orten unter Berücksichtigung
dieser unterschiedlichen Witterungsverläufe
vergleichen zu können wurde vom Verband
Deutscher Ingenieure ein anerkannter Maßstab
gebildet: die sogenannte Heizgradzahl
nach VDI 3807.
Um diese Heizgradzahl berechnen zu können
muss zunächst die für jedes Gebäude
individuelle Heizgrenztemperatur
bekannt sein. Die Heizgrenztemperatur
ist die mittlere Aussentemperatur, ab
der ein Gebäude bei einer vorgegebenen
Innentemperatur nicht mehr beheizt
werden muss. Hierzu muss man wissen,
dass jedes Gebäude über innere Wärmequellen
verfügt und dass über solare Effekte
(Sonneneinstrahlung) dem Gebäude Wärme
zugefügt wird. Deshalb liegt diese
Heizgrenztemperatur deutlich unter der
gewünschten Gebäude-Innentemperatur.
Die Heizgrenztemperatur ist
Berechnungsgrundlage für die Wärmebedarfsberechnung
eines Gebäudes. Theoretisch könnte man
diese dort ablesen. In der Praxis dürfte
es sich um die gleiche Aussentemperatur
handeln bei der sich die Heizungsanlage
zum Ende der Heizperiode automatisch
abschaltet.
Vereinfachend geht man in abhängig vom
Dämmstandard des Gebäudes von
folgenden Heizgrenztemperaturen aus:
Gebäudetyp Heizgrenztemperatur
Passivhaus 10 °C
Niedrigenergiehaus 12 °C
Bestandshaus 15 °C
Viebrockhäuser sind eher unstrittig den
Niedrigenergiehäusern zuzuordnen.
Ist nun die Heizgrenztemperatur bekannt
muss man im nächsten Schritt die
sogenannten Heizgradtage
bestimmen. Die Heizgradtage erhält man
indem man täglich die Differenz
zwischen der mittleren Aussentemperatur
und der nun bekannten
Heizgrenztemperatur berechnet
(=Gradtagszahl) und diese täglichen
Werte für einen Monat aufaddiert
(=Heizgradtage p.m.).
Folgende Tabelle am Beispiel des Monats
April 2000 (Quelle: wikipedia.de)
wird zum besseren Verständnis
beitragen. Es wird angenommen, dass die
Heizgrenztemperatur 15 Grad beträgt und
die Innenraumtemperatur 20 Grad sein
soll. Die Heizgrenztemperatur und die
Innentemperatur können natürlich auch
individuell variieren. Für einzelne
Tage (z. B. 29. April) muss keine
Gradtagszahl berechnet werden, da der
Tag im Mittel wärmer als die
Heizgrenztemperatur von 15 Grad war.

Für die Berechnung der Gradtagszahl
wird daher die mittlere Aussentemperatur
pro Tag an einem Standort benötigt.
Hohe Gradtagszahlen bedeuten kältere
Aussentemperaturen am betreffendem Ort
und damit einen höheren
Heizenergiebedarf.
Gut, jetzt weiß man zwar wie diese
Gradtagszahl ermittelt wird. Wie erhält
man nun die mittlere Aussentemperatur
pro Tag an seinem Standort, die für
diese Ermittlung erforderlich ist? In
der täglichen Praxis dürfte sich die
Ermittlung dieses Wertes eher schwierig
gestalten. Zwar wird genau diese
Temperatur bei den meisten
Heizungsanlagen über einen
Aussentemperaturfühler gemessen und
gemittelt. Es wird aber meist nur der
aktuelle Wert der letzten 24 Stunden
angezeigt, aber nicht gespeichert. Nur
die neueren Heizanlagenmodelle verfügen
über eine sogenannte Logging-Funktion,
die es ermöglicht alle wichtigen Daten
auf einem USB-Stick mitzuschreiben.
Aus diesem Grund und insbesondere für
Prognosen in die Zukunft eignet sich die
sogenannte Gradtagstabelle. Diese
Gradtagstabelle wird häufig im Rahmen
von Heizkostenabrechnungen verwendet
wenn keine Messwerte vorliegen. Sie wird
aus der VDI 2067 bzw. DIN 4713
abgeleitet. Die DIN 4713
„Verbrauchsabhängige Wärmekostenabrechnung“
ist eine Norm, die sich mit den für
Deutschland gültigen Festlegungen zur
Abrechnung von Wärmekosten beschäftigt.
In der Gradtagstabelle ist festgelegt,
wie die Heizkosten bei jährlicher
Ablesung durchschnittlich auf die
einzelnen Monate oder Tage verteilt
werden (Quelle: wikipedia.de).

Berechnungsbeispiel:
Angenommen, der anfangs beschriebene
kostenbewusste Bauherr bezieht zum
01.01. eines Jahres sein Viebrockhaus.
Einen Monat später, am 01.02., liest er
den WP-Stromzähler ab und stellt fest,
dass er im Januar 670,3 kWh verbraucht
hat. Hierauf entfallen lt. WP-Steuerung
25% (167,6 kWh) auf die
Warmwasserbereitung. Der
Heizenergieverbrauch für Januar beträgt
als 502,7 kWh.
Wenn man nun anhand der oben stehenden
Tabelle weiß, dass diese 502,7 kWh 170
‰ des Jahresheizenergiebbedarfes
entsprechen kann man jetzt ohne viel
Aufwand eine qualifizierte Schätzung für
die kommenden Monate bzw. das ganz
Kalenderjahr abgeben:

Der Ausgangswert in Höhe von 502,7 kWh
entspricht übrigens dem tatsächlichen
Heizenergieverbrauch für unser Maxime
700 im Januar 2010. Tatsächlich werden
wir in dieser Heizperiode insgesamt
2.718,9 kWh verbrauchen, so dass die
vorgenannte Schätzung den tatsächlichen
Verhältnissen schon sehr nahe kommt.
Wie schon erwähnt; die Gradtagstabelle
bildet den durchschnittlichen Verlauf
des Heizenergieverbrauchs in Deutschland
ab, ungeachtet der jeweiligen Klimazone
und ungeachtet der jeweiligen
Heizperiode. Wer nun wissen möchte, ob
es sich bei der letzten Heizperiode um
einen „harten“ Winter gehandelt und
wie sich diese Werte für einen
individuellen Standort entwickelt haben,
empfehle ich diese kleine MS-Excel-Anwendung
auf der Homepage des Institutes Wohnen
und Umwelt GmbH (IWU.de).
Das Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU)
ist eine gemeinnützige
Forschungseinrichtung der Gesellschafter
Land Hessen und Stadt Darmstadt. Das IWU
ist sowohl im Bereich der
Grundlagenforschung als auch in der
anwendungsorientierter Forschung
engagiert.

Mit diesem Tool lassen sich Heizgradtage
und Gradtagszahlen für jeden beliebigen
Ort Deutschlands der letzten zehn Jahre
vergleichen. Das IWU aktualisiert die
enthaltenen Klimadaten einmal pro Jahr,
voraussichtlich zum Ende einer jeden
Heizperiode.
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